Eigenschaften von echten Barfußschuhen

Barfußlaufen bietet unbestreitbar viele Vorteile. Natürlich gibt es auch Nachteile. Insofern sollte sich reflektiert mit der Thematik beschäftigt werden. Darum soll es in diesem Artikel nicht gehen. Dieser Artikel beschäftigt sich mit einer Möglichkeit den Einstieg in das Barfußlaufen zu erleichtern.

Der Markt für Barfußschuhe wächst. Je nach Hersteller weisen die Schuhe unterschiedliche Eigenschaften auf. Alle möchten dabei dem Barfußlaufen nahe kommen.

Um mit Schuhen eine barfußähnliche Wirkung zu erzielen, gilt wie so oft der Grundsatz „weniger ist mehr“.

Dabei halte ich mich an zwei wichtige Eigenschaften. Sie sind leicht mit der Formel – schützen ohne zu stützen – einzuprägen. Schuhe hüllen den Fuß ein und bieten somit Schutz gegen Kälte. Außerdem schützen Schuhe die Haut der Füße. Diese beiden Funktionen sind in meinen Augen die einzigen Argumente für Schuhe. Ein Schutzpanzer gegen Kälte und Hautverletzungen ist sinnvoll. Der Widerstandskraft der Körperstrukturen sind in diesen beiden Bereichen Grenzen gesetzt.

Alle weiteren Schutzfunktionen übernimmt ein gesunder und leistungsfähiger Körper selbst. Gelenke müssen nicht durch Schuhe gestützt werden. Diese Aufgabe übernehmen, Muskeln, Sehnen, Bänder, Faszien und Gelenkkapseln. Künstliche Stützen (z.B. in Schuhen) lassen die Stützfunktionen des Körpers verschwinden. Stöße müssen nicht durch Schuhe gedämpft werden. Muskeln, Sehnen und Faszien sind auch dafür besser geeignet.

Werden Aufgaben an Schuhe oder andere Erleichterer abgegeben, sind starke Körperstrukturen nicht mehr erforderlich. Schließlich gibt es ja die Helfer. Der Körper wird seine Strukturen reduzieren und die Widerstandskraft schwächen, um Energie zu sparen. Zudem sind der Bodenkontakt und die Wahrnehmung der Umwelt gestört. Durch Erhöhungen (besonders unter der Ferse) verändert sich der Bodenkontakt zusätzlich. Die Bauart vieler Schuhmodelle verhindert dementsprechend einen natürlichen Bewegungsablauf. Nun könnte man meinen die negativen Auswirkungen von Schuhen betreffen ausschließlich die Füße. Der Körper funktioniert allerdings als komplexes System. Veränderungen an den Füßen werden in einer langen Kette an Orte getragen, die in erster Linie nichts mit den Füßen zu tun haben. Über viele Umwege werden Nackenverspannungen durchaus durch Schuhe provoziert. Darum soll es hier aber nicht gehen.

Wir speichern also den Merksatz: „Schuhe sollen schützen ohne zu stützen.“ Berechtigte Funktionen sind Schutz vor Kälte und Schutz vor Hautverletzungen – alle weiteren Funktionen sind überflüssig.

Die wichtigsten Eigenschaften von echten Barfußschuhen sind mit diesem Merksatz nachvollziehbar.

  • Flexible Sohle:

Eine flexible Sohle bietet den Vorteil die Spitzen von Steinen oder Stacheln zu „entschärfen“. Sie schützt vor Hautverletzungen. Gleichzeitig schränkt sie Fußbewegungen kaum ein. Kleine Steine und Untergrundstrukturen sind noch sehr intensiv spürbar und reizen die Wahrnehmungsstrukturen der Füße. Zusätzlich wird die Beweglichkeit der Fußstrukturen erhalten. Eine harte Sohle verhindert Längs-, Quer- und Rotationsbewegungen des Fußes. Aufgrund dieser Bewegungseinschränkung ist der Bewegungsablauf zwangsläufig verändert. Kontrolliertes Abrollen wird zu unkontrolliertem Platschen. Nach und nach passen sich alle Strukturen diesem geänderten Bewegungsablauf an. Entzündete Faszien oder Fersensporn sind sehr unangenehme aber leider vielen Menschen bekannte Folgeerscheinungen von unbeweglichen Fußstrukturen.

  • Dünne Sohle:

Die Eigenschaften einer dünnen Sohle gleichen den Eigenschaften einer weichen Sohle. Je stärker eine Sohle, desto mehr entfernt sich der Fuß vom Boden. Die Bodenstrukturen sind weniger detailliert wahrnehmbar. Eine starke Sohle ist zudem weniger flexibel und nimmt dem Fuß Beweglichkeit. Gute Barfußschuhe besitzen eine 2,5mm – 3,5mm starke Sohle.

  • Breite Zehenbox:

Viele moderne Schuhe sind im vorderen Bereich sehr schmal geschnitten. Dieses modische Element drückt jedoch die Zehen zusammen. Das Zusammenpressen hat neben der Zwangsverformung eine seitliche Stabilisierung zur Folge. Die Zehen können schließlich nicht nach rechts und links ausweichen. Enge Schuhe sind deshalb die Ursache für orthopädische Veränderungen, z.B. Hallux Valgus. Im Bedarfsfall kann der Fuß verschiedene Bewegungen nicht mehr stabilisieren, das Verletzungsrisiko steigt.

Die Lösung ist eine breite Zehenbox. Sie ist breit genug, damit sich die Zehen den Platz suchen können, den sie tatsächlich benötigen. Die Zehenbox schnürt nicht ein, darf aber auch nicht zwanghaft spreizen. Beim zwanghaften Spreizen werden die Strukturen ebenfalls zwangsverformt und können ihre natürliche Funktion nicht ausführen.

Das zwanghafte Spreizen ist mein großer Kritikpunkt an Zehenschuhen. Die Position der einzelnen Zehen ist dabei durch die einzelnen Zehentaschen vorgegeben. Da die Sohlen gewöhnlich aus Gummi bestehen, sind seitliche Spreizbewegungen nur mit Kraft möglich. Die Zehen können sich also nicht den benötigten Platz suchen, sondern werden in eine zwanghafte Form gepresst. Je nach Fußform ist es möglich, dass das Quergewölbe des Fußes nicht stabil genug ist, um den Bodenaufprall aufzufangen. Der Stoß ist unweigerlich härter als notwendig.

Ich empfehle deshalb Schuhe mit einer geschlossenen, aber sehr breiten Zehenbox.

  • Keine Fersenerhöhung, die Sohle ist an allen Stellen gleich stark:

Erhöhungen der Sohle sind ein weiteres Werkzeug für Zwangsverformungen des Fußes. Erhebungen unter dem Mittelfuß richten zwar das Längsgewölbe des Fußes auf, jedoch erfolgt die Aufrichtung passiv. Die Körperstrukturen müssen aufgrund der Stütze nicht selbst arbeiten. Eine Stabilisierung erfolgt auf keinen Fall. Im Gegenteil, da das Längsgewölbe durch ein Hilfsmittel gehalten wird, reduziert der Körper seine Funktion weiterhin. Der gleiche Sachverhalt gilt für die Ferse. Erhöhungen unter der Ferse heben diese vom Boden ab und strecken den Fuß nach unten. Das Sprunggelenk wird zwangsweise gestreckt und die Wadenmuskulatur unter erhöhte Spannung gesetzt. Außerdem ist durch die Fersenerhöhung ein großer Teil der Sprunggelenksbewegung, nämlich das Fußheben, gänzlich ausgeschlossen. Über längere Zeit führen auch Fersenerhöhungen zu Unbeweglichkeit. Das Verletzungsrisiko (Muskelfaserrisse, Zerrungen, Achillessehnenentzündungen und -Risse) bei eigentlich problemlosen Bewegungen erhöht sich.

Deshalb sind echte Barfußschuhe an allen Stellen der Sohle gleichmäßig stark.

  • Atmungsaktives Material:

Das Obermaterial beeinflusst das Klima am Fuß. Ein Gummistiefel lässt kaum frische Luft an den Fuß um Feuchtigkeit zu trocknen. Bakterien und Schweiß finden unter diesen Umständen ein vorzügliches Klima. Ein Barfußschuh besitzt daher ein möglichst atmungsaktives Obermaterial.

Mir ist natürlich bewusst, dass Witterungseinflüsse, gesundheitliche Voraussetzungen und weitere Kriterien die notwendigen Eigenschaften bestimmen. Sofern man sich aber an die Grundsätze „weniger ist mehr“ und „Schuhe sollen schützen ohne zu stützen“ hält, findet man sicherlich den passenden Schuh.

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